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Angehörige sind immer noch häufig auf sich alleine gestellt mit umfangreichen Fragestellungen und Problemen und damit oft überfordert. Sie und ihre Familien leiden unter Ausgrenzung und Stigmatisierung. In Deutschland leben rund eine halbe Million chronisch psychisch kranke Menschen, die Mehrzahl davon in ihren Familien. Schon vor Jahren haben sich vor diesem Hintergrund in allen Bundesländern Selbsthilfegruppen und Landesverbände gebildet, um sich gegenseitig zu stützen und die Interessen der Familien besser zu vertreten. So ist die Selbsthilfe seit Jahren zu einem eigenständigen Element neben Leistungsanbietern und Kostenträgern geworden. Sie möchte die Interessen von Patientinnen und Patienten, den Menschen mit Behinderungen, wirkungsvoll vertreten. Die Mitwirkung von Selbsthilfevertreterinnen und -vertretern in den Gremien des Sozial- und Gesundheitswesens ist heute überall anerkannt und die Mitarbeit erfolgt z.B. auch in Gemeindepsychiatrischen Verbünden. Betroffenenkompetenz wird von unterschiedlicher Seite immer häufiger nachgefragt.

Das Zentrum für Psychiatrie Reichenau unterstützt seit vielen Jahren aktiv die Angehörigenarbeit, so insbesondere mit der Angehörigengruppe, die Hilfen und Unterstützungen für Angehörige konkret anbietet. Unter der Leitung von Ärzten*innen und Psychologen*innen können Angehörige sich untereinander austauschen und sich ein notwendiges Wissen über Erkrankungen aneignen. Eine regelmäßige Teilnahme unterstützt den Behandlungsverlauf positiv. Die Angehörigengruppe versteht sich als offene Einladung an Verwandte, Freunde und/oder Bekannte, die in einer besonderen Beziehung zu dem Erkrankten stehen, dessen Krankheitsprozess begleiten wollen, dabei selber Rat und Verständnis benötigen und im Sinne einer eigenen Psychohygiene Energien erhalten möchten. Ein zentrales Element ist die emotionale Entlastung der Angehörigen durch den Erfahrungsaustausch mit anderen ähnlich betroffenen Angehörigen.