Blick von einer Empore in einen bunt bestuhlten Festsaal mit Bühne.

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So erlebt Bürgermeister Philipp Stolz das ZfP Reichenau /

Ein Mann schaut einer Frau über die Schulter, die eine Spritze aufzieht.

Philipp Stolz schaut Natalie Grbavac, Pflegefachkraft und Wohnbereichsleitung, über die Schulter: So wird eine Spritze aufgezogen.

Philipp Stolz, Bürgermeister der Gemeinde Reichenau, hat ein eintägiges Praktikum am ZfP Reichenau absolviert. Er begleitete das Team einer Wohngruppe im Gerontopsychiatrischen Pflegeheim und wurde durch die Forensik geführt.

Philipp Stolz will die Reichenauer Betriebe kennenlernen – nicht nur in der Theorie, sondern ganz praktisch im Arbeitsalltag. Deshalb bietet er aktuell seine Mitarbeit im Rahmen eines Bürgermeisterpraktikums an. Für das ZfP Reichenau als größter Arbeitgeber der Gemeinde war das eine willkommene Gelegenheit, ihm die Arbeit in der Psychiatrie näherzubringen.

Los ging es am Morgen um 8 Uhr. Nach einer kurzen Besprechung startete er im Gerontopsychiatrischen Pflegeheim in Haus 23, wo er vormittags Wohnbereichsleitung Natalie Grbavac begleitete. Sie zeigte dem 33-Jährigen, was alles zu den vielfältigen Aufgaben der Pflegekräfte in der Wohngruppe 103 gehört. Unter ihrer Anleitung verteilte Philipp Stolz Medikamente an die Bewohnerinnen und Bewohner, half bei der Essensausgabe und der Körperpflege mit. 

Auch der Tod gehört zum Alltag

Natalie Grbavac ist auch Palliativfachkraft. Denn die meisten Bewohner:innen des Gerontopsychiatrischen Pflegeheims verbringen dort den letzten Teil ihres Lebens. Der Umgang mit dem Tod ist ein Teil des Alltags. „Es liegt uns am Herzen, die Bewohnerinnen und Bewohner auch in dieser Phase zu begleiten und den Abschied würdig zu gestalten“, erläuterte sie, bevor sie Stolz zu einem Bewohner mitnahm, der im Sterben lag. 

„Es beeindruckt mich, wie empathisch und liebevoll du mit ihm umgehst“, sagte er anschließend zu ihr. Die Herzlichkeit, mit der sich das Team um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmere, sei eindrucksvoll. 

Die gemeinsame Frühstückspause mit dem Team nutzte der Bürgermeister, um mit den Mitarbeitenden ins Gespräch über die Arbeit im ZfP Reichenau zu kommen und mehr über die verschiedenen Berufe und Arbeitsabläufe zu erfahren. Interessant war es für ihn auch, Alltagsbegleiterin Gjyla Gaiser über die Schulter zu schauen, wie sie mit Musik und Bewegung die Bewohner:innen aktivierte.

Neun Menschen sitzen an einem gedeckten Frühstücktisch und lächeln in die Kamera.

Beim gemeinsamen Frühstück mit dem Team erzählen die Mitarbeitenden von ihrer Arbeit im ZfP Reichenau.

Ein Mann und eine Frau in weißer Pflegekleidung lachen einander an. Er hält ein Tablett mit roten und transparenten Bechern mit Medikamenten in der Hand.

Der Bürgermeister unterstützt Natalie Grbavac bei der Medikamentengabe und bringt sie den Bewohner:innen auf ihre Zimmer.

Ein Mann und eine Frau stehen vor einer sitzenden Person. Der Mann füttert die Person.

Manche Bewohner:innen brauchen Hilfe beim Essen. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wird der Kopf verpixelt dargestellt.

Ein Mann schiebt einen Wagen mit portionierten Tellergerichten durch einen Flur. Neben ihm läuft eine Frau.

Philipp Stolz hilft Natalie Grbavac auch bei der Ausgabe des Mittagessens. Wer nicht im Speisesaal isst, bekommt seine Mahlzeit auf dem Zimmer.

Zwei Männer und eine Frau stehen vor einem hohen Zaun. Dahinter befindet sich ein hellgelbes Haus.

Mario Schweizer, Therapeutischer Leiter (links), und Sonja Dietrich, Pflegedirektorin, zeigen dem Bürgermeister den Maßregelvollzug.

 

Zwischen Sicherung, Therapie und Lockerung

Am Nachmittag nahm Pflegedirektorin Sonja Dietrich den Bürgermeister mit in die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Sie startete mit ihm in der Akutaufnahme, dem Ort, wo die Patient:innen aufgenommen werden. Dies ist der Ort mit der höchsten Sicherungsstufe: Hoher Zaun, Schleuse mit mehreren Türen, überall Kameras und Spiegel. 

Mario Schweizer, Therapeutischer Leiter, erläuterte beim Rundgang durch die Station 70, worauf es bei der Arbeit mit psychisch kranken Straftäter:innen im Maßregelvollzug ankommt, welchen Rahmen Gesetze stecken und welche Herausforderungen der Alltag auf der Station mit sich bringt. Klar wurde: die Belegungssituation ist angespannt, da die gerichtlichen Zuweisungen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. 

Wie der Weg aus dem Maßregelvollzug aussieht

Doch Maßregelvollzug heißt nicht nur Sicherung, sondern auch Therapie und stufenweise Erweiterung von Freiheitsgraden und Eigenverantwortung, also Vollzugslockerungen. Wie es aussieht, wenn Patient:innen bereits erfolgreich in der Therapie fortgeschritten sind, zeigte Sonja Dietrich dem Bürgermeister zusammen mit Daniel Wimmer, dem Therapeutischen Leiter von Haus 15. In der offenen Wohngruppe leben Patient:innen, die ihren Alltag schon wieder selbst in die Hand nehmen können und zum Teil auch wieder arbeiten. Das Stationsteam steht ihnen unterstützend zur Seite. 

„Hier regeln die Patienten vieles untereinander, zum Beispiel wenn es um die Sauberkeit in der Küche geht“, erläuterte Wimmer. Das Team greife nur ein, wenn es nötig ist. Wenn die Patient:innen dann soweit seien, dass sie entlassen werden können, sei das immer ein Erfolgserlebnis.

Zum Schluss bedankte sich Bürgermeister Philipp Stolz bei den Beteiligten für den Einblick. „Ich bin wirklich beeindruckt“, sagte er. „Die Menschlichkeit, Geduld und Wertschätzung, die die Mitarbeitenden den Menschen hier entgegenbringen, ist unglaublich.“

Das ZfP Reichenau bedankt sich herzlich bei Bürgermeister Philipp Stolz für seinen Einsatz und seine Offenheit!